Die Steinzeit beginnt in Berlin

In Brauer by Olav Vier Strawe

Stone Ground Breaking in BerlinDas sollen die Lieblingsbiere der Leute hier sein? – Greg Koch steht kopfschüttelnd neben einer Pyramide aus Bier: Halbliter-Dosen, Partydosen, die bekannten Marken, auch welche aus dem europäischen Ausland, alles helle Lagerbiere, sorgsam aufgetürmt auf einer Palette. In der Sprache seiner Brauerei aus dem kalifornischen San Diego:„fizzy yellow beer“ (dünnes gelbe Bier), nur was für „Wussies“ (Weicheier). Im nächsten Moment sehen die rund 200 geladenen Gäste der Kundgebungsveranstaltung, wie der Chef und Mitbegründer von Stone Brewing einen Bulldozer mit einen Findling auf der Gabel heranfährt und den transportierten Stein auf die Pyramide plumpsen lässt. Es knackt, knarzt, brimst und zischt: Steine sind mächtiger als Plörre. Welcome to the Stone age!

Stone Brewing, gegründet 1996, ist der zehntgrößte Craft-Brauer in den USA. „Dies ist ein historischer Moment für Stone. Ich wollte diese Worte schon lange sagen: Wir kommen nach Europa. Wir kommen nach Deutschland. Wir kommen nach Berlin!“ sagt Koch feierlich. Wie mit offenen Mündern hören ihm seine Gäste zu. Es ist ein heißer Sommerabend, das Spektakel atemberaubend.

Das Anwesen im Gaswerk Mariendorf ist riesig. Stone hat dort drei Gebäude plus Außenfläche gepachtet: Eine rund 4000 Quadratmeter große Backsteinhalle wird das 83-hl-Sudhaus, ein Restaurant und einen Laden beherbergen. Ein zweites 2000 Quadratmeter großes Gebäude wird als Gär- und Lagerkeller sowie als Abfüllung dienen. Ein Lokschuppen mit 120 Quadratmetern liegt eingebettet im zukünftigen Garten, perfekt für private Feiern. Voraussichtlich 25 Millionen Dollar werden für die Renovierung und Einrichtung des Standorts investiert.

„Mit dieser Expansion verpflichten wir uns in einem Land, das historisch tief in der Braukunst verwurzelt ist, mutige, aggressive und hopfenbetonte Biere zu brauen“Steve Wagner, Stone Mitgründer
Daneben wirkt die Crowd-Funding-Campagne jämmerlich: Fans können sich am Unternehmen beteiligen, für den Einsatz von 50 Dollar bekommen sie eine Flasche eines Kollaborationsbieres, das in Berlin gebraut werden wird. Brewdog aus Schottland, Balladin aus Italien und die amerikanischen Victory und Dogfish Head halten sich schon bereit. Man darf gespannt sein.

Die „Arrogant Bastards“ (so heißt das Stone Paradebier) wollen sich treu bleiben: „Mit dieser Expansion verpflichten wir uns in einem Land, das historisch tief in der Braukunst verwurzelt ist, mutige, aggressive und hopfenbetonte Biere zu brauen“, läßt auch Präsident und Mitbegründer Steve Wagner verlauten, der leider persönlich nicht anwesend ist. Der zehntgrößte ist nun der erste der amerikanischen Craft-Brauer: der erste, der in Europa ein eigenes Brauhaus besitzen und betreiben wird. Damit wird die Craft-Bierbewegung endgültig global – oder „cross-planetary“, wie Stone es nennen. Ihnen ist klar, dass der deutsche Markt für amerikanisches Craft-Bier eher schwierig ist. In England und Skandinavien hingegen wartet man schon. Ende 2015 soll der Betrieb aufgenommen werden. Bis dahin fließt noch viel Wasser die Spree runter. Und in Deutschland kommt der Stein ja gerade erst ins Rollen.