Was ist eigentlich… Sauerbier?

In Bierwissen by Frieda Hintze

Die wichtigste Nachricht vorab: „Das Sauerbier“ gibt es nicht, wissen die Profis von Hopfenhelden. Mit dem Begriff Sauerbier werden eine ganze Vielzahl unterschiedlichster Biere zusammengefasst. Und saures Bier? Nun, das mag für den Laien weniger schmackhaft klingen. Wer sich aber mit (Craft) Bier ein wenig auskennt, wird diesen Bierstil zu schätzen wissen: Dennoch – oder gerade deswegen – lohnt es sich, einen Blick auf diesen besonderen Bierstil zu legen.

Sauerbier ist der Beweis, dass die Craft Bier Szene nicht nur jung, hip und modern ist – sondern auch nostalgisch und ja, vielleicht sogar ein wenig sentimental. 150 Jahre lang wurde das Sauerbier eher stiefmütterlich behandelt. Vor allem in Deutschland. Selbst das letzte seiner Art, die Original Berliner Weiße, verschwand (fast) in der Versenkung. In anderen Teile der Welt aber hielten sich Sauerbiere – allen voran in Belgien.

Früher war das anders. Und mit früher meinen wir das Mittelalter, denn aus dieser Zeit stammen die ursprünglichen Rezepturen. Zu dieser Zeit konnte man flüssige Lebensmittel nicht pasteurisieren, sprich: Haltbar machen. Insofern waren Infektionen mit Milsäurebakterien oder anderen Arten kaum zu verhindern, wodurch nahezu jedes Bier zu dieser Zeit säuerlich schmeckte. Fun Fact: Daher kommt auch die Redewendung, etwas verkaufe sich „wie sauer Bier“, hat jedenfalls belegbare, historische Wurzeln.

Mit dem Siegeszug der Konservierung versiegte wiederum das Sauerbier in Deutschland, während in Belgien diesem Bierstil eine Tradition gewidmet wurde. So gilt beispielsweise das Lambic in weiten Teilen als der anspruchsvollste und komplexeste Bierstil der Welt.

Spricht man heute von einem Sauerbiert, meint man in der Regel das Resultat einer Spontangärung durch wilde oder obergärige Hefe. Und das Schöne: Der Bierstil erlebt eine Renaissance. Immer mehr Brauer widmen sich dem Herstellungsverfahren, das aufwendig ist und jede Menge Erfahrung benötigt. Denn: Wer mit wilden (und gewissermaßen eigenwilligen) Hefen braut, geht das Risiko ein, dass der Vorgang nicht gelingt. Zudem kommt eine lange Reifezeit hinzu: Nicht wenige Sauerbiere reifen über zwölf Monate. Das Sauerbier hat also nicht nur eine lange Tradition, sondern fordert auch heute noch Braumeister und Sommeliers heraus.

Die hierzulande bekanntesten Sauerbiere sind die bereits erwähnte Berliner Weisse und die Gose. Da es jedoch kein „typisches“ Sauerbier gibt, präsentiert sich dieser Stil auf sehr unterschiedliche Art und Weise – und zwar länderübergreifend. Nicht nur in Deutschland und Belgien, auch in den USA erlebt das Sauerbier derzeit eine Renaissance. So gibt es mittlerweile amerikanische Brauerein wie Cascade Brewing oder Allagash in Portland, die sich diesem komplexen Bierstil widmen.

Wir finden: Das ist eine Entwicklung, auf die man anstoßen sollte? Vielleicht mit einem Sauerbier? Oder lieber mit etwas anderem? Schaut in unserer Bier-Datenbank vorbei und findet Euer persönliches Lieblingsbier.